16. August 2019

Lauschangriff, oder Business as usual

Überall wird mitgelauscht: Facebook, Google, Amazon. Nicht von Maschinen, sondern von Menschen. Ein Thema, nicht nur für das Sommerloch. 

Caschys Rückblick

"Okay Google, erzähle mir, was ich letzten Sommer getan habe!" Das ist heutzutage kein so abwegiger Befehl, den man einem Smart Speaker geben kann. Denn sie wissen viel über uns, die Konzerne hinter den smarten Assistenten.

Sie wissen es, weil wir es ihnen bereitwillig erzählen. Komfort gegen Daten, so ist der Deal, auf den sich immer mehr Menschen einlassen – bewusst oder unbewusst. Datenschützer schlagen unterdessen Alarm.

FaceApp, Google, Apple: Was ist mit den Daten?

Letztens war es FaceApp, das für Aufsehen sorgte. Arglos geben Nutzer Porträts von sich und anderen in die Hände der Entwickler. Was mit den Daten hinten raus passiert ist nicht wirklich klar.

Nun sind die Smart Speaker ins Visier der Medien geraten. Menschen hören Gespräche mit, ist da zu lesen. Bei allen Firmen, Facebook wertet sogar Sprachnachrichten aus, die im Messenger transkribiert werden sollen. Das schlägt Wellen, die hoch genug sind, dass Firmen wie Google oder Apple ihre entsprechenden Programme temporär aussetzen.

Um zu verstehen, was da überhaupt passiert, muss man wissen wie die Systeme funktionieren. Das ist bei allen gleich, die Assistenten warten auf ein Aktivierungswort und lassen dann die Zauberei geschehen, die nicht wirklich viel mit Zauberei zu tun hat.

Denn das, was wir heute als künstliche Intelligenz bezeichnen, sind nichts anders als gut trainierte Algorithmen. Algorithmen, die es zu verbessern gilt, vor allem durch Learnings vom Nutzer.

Mensch hilft der Maschine

Solange der Nutzer das Aktivierungswort nicht sagt, braucht er eigentlich auch keine Angst zu haben, dass der Smart Speaker zuhört oder seine Gespräche gar in der Cloud landen. Eigentlich, denn wie das so ist, sind die Systeme nicht fehlerfrei. Da fühlt sich eine Alexa auch einmal angesprochen, wenn es gar nicht gewünscht war.

In der Regel merkt das der Assistent dann und bricht die Aktivierung ab. Der Nutzer bekommt das eventuell gar nicht mit, wohl aber das System hinter dem Assistenten.

Dieses bekommt mitgeteilt, dass eine Anfrage ausgelöst wurde, die aber dann doch nicht abgeschlossen wurde. Ein Fall für eine Untersuchung – durch Menschenhand, denn das können die Maschinen dann doch noch nicht selber.

Unternehmen verpassen die Aufklärung

Und so kommt es auch, dass Berichte zustande kommen, die von intimen Gesprächen lesen lassen, die Alexa und die anderen aufzeichnen und durch Menschen auswerten lassen. Die Auswertung erfolgt zur Verbesserung der Systeme, nicht etwa, um einzelne Nutzer gezielt zu belauschen.

Dazu sind die Auswertungen auch gar nicht umfangreich genug, lediglich ein Bruchteil wird überhaupt ausgewertet. Dass Menschen mit privaten Dingen in Berührung kommen könnten, das ist allerdings vielen nicht bewusst. Daran tragen dann auch wieder die Firmen hinter den Assistenten die Schuld.

Sie klären den Nutzer nicht auf. Nun könnte mit man viel gutem Willen behaupten, sie wussten es ja nicht besser. Das aber wäre sehr an den Haaren herbeigezogen, seit mindestens zwei Jahren ist das Thema Privatsphäre und Datenschutz durchaus bei den Nutzern angekommen.

Sie verlassen sich allerdings darauf, dass die Firmen schon richtig handeln werden – was bekanntlich nicht immer der Fall ist. Das Vertrauen wird von vielen strapaziert, oft hat es den Anschein, es wird einfach so lange probiert, bis der Nutzer einfach nicht mehr mitmacht. Und bislang zeigt er sich sehr geduldig und verzeihend.

Unsere Daten liegen überall

Die Auswertung der Aufzeichnungen erfolgt also, das haben die Unternehmen eingestanden. Warum die Auswertung über Drittfirmen erfolgt, hat bisher keiner erklärt.

Würde so etwas unter dem eigenen Dach geschehen, würde es wahrscheinlich gar nicht erst nach außen dringen. Denn man sollte sich schon auch bewusst sein, dass es immer Menschen gibt, die persönliche Daten von einem haben, die man vielleicht gar nicht bei anderen wissen möchte.

Sei es der Bankangestellte mit Einblick in Konten, die Mitarbeiter bei der Krankenkasse oder die nette Dame beim Einwohnermeldeamt. Alles Beispiele, bei denen Daten nicht erst anonymisiert werden, bevor sie von Menschen verwertet werden.

Warum soll es dann also so tragisch sein, wenn Alexa einem Mitarbeiter, der mit der Auswertung betraut ist, einen Ausschnitt davon schickt, wie man gerade romantisch diniert?

Informiert Euch!

Aber der Knackpunkt ist eben, dass der Nutzer es nicht weiß und in einigen Fällen auch nicht die Möglichkeit hat, der Auswertung zu widersprechen. Und speziell bei Smart Speakern, aber eigentlich bei allen vernetzten Geräten mit Mikrofon, besteht immer die Möglichkeit, eines tatsächlichen Lauschangriffs. Ein System ist bekanntlich nur so lange sicher, bis eine Lücke gefunden wurde.

Was kann man nun als Nutzer machen? Am einfachsten sind die beiden Extreme: Nicht nutzen oder akzeptieren. Aber dazwischen liegt noch viel. Bei Smart Speakern kann man zum Beispiel die Mikros deaktivieren, wenn man weiß, dass man sie eine Weile nicht benötigt. Auch sollte man generell mal einen Blick in die Privatsphäreeinstellungen der genutzten Systeme werfen.

Dort lassen sich unter Punkten wie "Helfen sie bei der Verbesserung mit" so manche Dinge deaktivieren, die für einen freizügigeren Umgang mit persönlichen Daten sorgen. Ebenfalls kann man bei manchen Diensten bereits vorhandene Aufnahmen wieder löschen.

Während Panik im Bezug auf smarte Assistenten unangebracht ist, ist es ein wahlloses Preisgeben persönlicher Daten ebenso. Die Mischung macht es und wenn dann die Unternehmen noch anfangen, den Nutzer ordentlich aufzuklären, können auch keine Sommerlöcher mehr mit Auswertungsskandalen, die eigentlich gar keine sind, gestopft werden.

 

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