30. März 2017

Bridge&Tunnel – Social Design für die Gesellschaft von morgen

Durch Social Design bringt Bridge&Tunnel gesellschaftlich Benachteiligte in Arbeit. Die Geschichte darüber erzählt uns Mitgründerin Constanze Klotz.

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Constanze, bei Bridge&Tunnel redet man gerne von einem Social Design Label. Worin liegt eigentlich sein Mehrwert?

Als wir unser Label Bridge&Tunnel konzipiert haben, war für uns von Anfang an klar: Gute Qualität braucht gute Arbeitsbedingungen. Deshalb setzen wir neben unserer ökologisch nachhaltigen Arbeitsweise (wir upcyceln Denim) auch auf ethische Nachhaltigkeit (Social Design).

In Hamburg-Wilhelmsburg – der Stadtteil, in dem sich unsere Werkstatt befindet – gibt es überproportional viele Langzeitarbeitslose, viele davon mit Migrationshintergrund. Während viele von ihnen aus unterschiedlichsten Gründen Probleme haben, einen Job auf dem ersten Arbeitsmarkt zu finden, bringen einige gleichzeitig tolle Handwerklichkeiten aus ihren Heimatländern mit, die für die textile Produktion von großem Nutzen sein können. Mit unserem Label greifen wir genau dieses Wissen auf und professionalisieren es.

In unserem Kernproduktionsteam arbeiten aktuell vier (zuvor langzeitarbeitlose) Näherinnen und Näher, die gebürtig aus Indien, der Türkei und Afghanistan kommen. Angeleitet werden sie von zwei weiteren tollen Frauen, die ausgebildete Schneiderinnen oder Bekleidungstechnikerinnen sind. Dazu werden sie von wechselnden Praktikanten mit Fluchtgeschichte unterstützt, die erst vor kurzer Zeit nach Deutschland gekommen sind.

Dabei merken wir jeden Tag aufs Neue, was es für die Frauen und Männer bedeutet, endlich einen eigenen Job zu haben und etwas zum Lebensunterhalt ihrer Familien beizusteuern. Denn wer arbeitet, lernt Menschen kennen. Und wer arbeitet, fühlt sich gebraucht. Die Wertschätzung, die sie durch ihre Arbeit bekommen, erfahren viele von ihnen das erste Mal in ihrem Leben.

Wir zahlen unserem Team tarifliche Löhne, da wir finden, dass textile Arbeit einfach mehr wertgeschätzt werden sollte. Da wir ein noch sehr junges Unternehmen mit kleinen Stückzahlen sind, bietet sich eine Produktion vor Ort mehr als an. Durch unsere eigene Produktion schaffen wir nicht nur kurze Wege, sondern auch Transparenz und eine Face-to-Face-Kommunikation mit unserem Team. Auch Fehl- oder Überproduktionen können wir so perfekt vermeiden.

Kunden von Bridge&Tunnel erwerben also nicht nur einen Rucksack oder einen Pulli, sondern gewissermaßen „Design Plus“: Wer uns kauft, trägt dazu bei, dass gesellschaftlich benachteiligte Menschen in Arbeit kommen. Das ist für uns Social Design.

Mit Eurer Geschäftsidee wollt Ihr ja eine große gesellschaftliche Veränderung vorantreiben. Wie kann es einem Jungunternehmer überhaupt gelingen, einen guten Umsatz zu erarbeiten und zugleich einen gesellschaftlichen Mehrwert schaffen?

Das ist in der Tat eine knifflige Frage, bei deren Beantwortung man wunderbar die Herausforderungen eines Sozialunternehmens kennenlernt ... Die Idee von Sozialunternehmen ist es ja, zwei Welten zusammenzubringen, die sonst nicht unbedingt Berührungspunkte miteinander haben: Soziales tun, jedoch nicht über Drittmittelabhängigkeiten, sondern aus eigener, sprich unternehmerischer Kraft. Genau diese Verbindung finden wir so faszinierend, denn wir glauben fest daran, dass beides zusammen gehen KANN.

So schön es klingt, so viel Knochenarbeit ist es in der Realität. Als wir Bridge&Tunnel gegründet haben, haben wir nur so vor Tatendrang gebrannt und wollten sofort loslegen. Nach der Idee – das war im März 2015 – sind dann aber erstmal anderthalb Jahre ins Land gegangen, bis unser Webshop im Juli 2016 endlich online gehen konnte.

Wir haben also mehr als ein Jahr gebraucht, um alles so umzusetzen, wie wir es uns wünschen. Dazu gehörte die Designentwicklung, aber natürlich auch das Finden des Teams, das Auftreiben der Finanzierung, der Bau der Website und vieles mehr. Wir hatten von Anbeginn aber eine tolle Presseberichterstattung und haben auch schon einige (Bundes)Preise gewonnen, was uns mit einer tollen Dynamik versorgt hat und uns – und unser Team – natürlich auch sehr stolz macht.

Um die Anfangsphase abzufedern, haben wir unser Geschäftsmodell auf verschiedene Füße gestellt. Zuallererst verkaufen wir natürlich unsere Endprodukte, unser Design. Dann setzen wir auf Unternehmenskooperationen. So haben wir mit einem Hamburger Wirtschaftsunternehmen, die ebenfalls einen Fokus auf Recycling haben und mit dem wir eng zu dem Thema zusammenarbeiten werden, ein dreijähriges Sponsoring abgeschlossen.

Da alle unserer Näher und Näherinnen im Kernteam aus der Langzeitarbeitslosigkeit kommen, profitieren wir außerdem noch von anteilig geförderten Arbeitsverhältnissen durch das Jobcenter. Das ist gerade für den Anfang, wo wir ja viel Zeit damit verbringen, unser Team zu professionalisieren, eine wahnsinnige tolle Unterstützung. Und zuletzt – und das ist wirklich besonders – haben wir einen Privatinvestor gefunden, der uns maßgeblich unterstützt. Mit ihm arbeiten wir über Spenden sowie einen Darlehensvertrag zusammen, der allerdings komplett ohne Anteile auskommt.

Das Thema Drittmittelfinanzierung wird uns auch noch eine ganze Weile begleiten. Im Durchschnitt dauert es sieben (!) Jahre bis Sozialunternehmen Break-Even erreichen. Wir freuen uns sehr, dass unsere Absätze kontinuierlich steigen, es wird aber eben noch einige Jahre dauern, bis wir komplett aus eigener wirtschaftlicher Kraft bestehen können. Deshalb brauchen wir starke Partner!

Wie sieht ein Arbeitstag in Eurem Unternehmen aus und wer ist alles an den Arbeitsprozessen beteiligt?

Haha, einen „normalen“ Arbeitstag gibt es bei uns eigentlich nicht. Bei uns geht es immer sehr kreativ und spontan zu. Unser Produktionsteam arbeitet vier Tage die Woche, alle in der Produktion sind mit Halbtagsstellen angestellt. Zum Beginn der Woche planen wir die Produktion und dann geht es für das Team an die Abarbeitung von Aufträgen und Bestellungen.

Mittlerweile bekommen wir sehr häufig Jeansspenden, die gilt es dann auf Tauglichkeit zu testen und in unser Materiallager aufzunehmen. Das sieht ja schon ein wenig anders aus als bei anderen Firmen, da sich bei uns nicht die Materialballen, sondern tatsächlich einzelne Hosenbeine stapeln.

Wir Gründerinnen arbeiten eigentlich – aber welchem StartUp erzählen wir das? – rund um die Uhr. Wir sagen gern, dass Lotte die Innenministerin und Conny die Außenministerin ist. Lotte ist Textildesignerin und kümmert sich vorranging um Design und Produktionsorganisation, hat aber auch z. B. das Backend unserer Website unter ihren Fittichen sowie die Fotoproduktion unserer Designs. Da alles Unikate sind, muss jedes Produkt einzeln abfotografiert werden.

Conny ist als Kulturwissenschaftlerin für alles rund um Kommunikation (Presse und Social Media), Partnerakquise, Marketing und Vertrieb sowie Fundraising und unsere Zahlen zuständig. Wir machen aber auch vieles zusammen, z. B. die Betreuung unseres Teams, wir entwerfen gemeinsam Kommunikationsideen, beraten über potentielle Vertriebspartner oder über die nächsten anstehenden Designs.

Zwischendurch passiert dann immer irgendetwas Unerwartetes und wir müssen schnell handeln – aber das hält uns in jedem Fall geistig sehr fit!

Wie steht es aktuell Eurer Meinung nach um den Gründerstandort Hamburg? Hat sich etwas in letzter Zeit zum Positiven oder Negativen geändert?

Wir selbst sind ja Stipendiaten von Social Impact und waren wahnsinnig happy, dass wir dieses tolle Stipendium in unserer Gründungsphase nutzen konnten. Seitdem kennen wir viele aus der Social-Entrepreneurship-Szene in Hamburg und haben das Gefühl, dass dort schon einiges geht. Zumindest kennen wir viele Leute in Hamburg, die superspannende Businessideen haben – und Lust etwas zu bewegen! Da wir selbst erst seit 2015 in diesem Bereich unterwegs sind, ist es aber schwierig zu beurteilen, wie es vor einigen Jahren war.

Worauf seid Ihr besonders stolz, wenn Ihr auf die vergangenen Jahre zurückblickt?

Dass aus unserer Idee ein echtes kleines Unternehmen mit fast 10 MitarbeiterInnen geworden ist! Manchmal können wir es selbst kaum glauben, wenn wir morgens in die Werkstatt kommen und dann alle diese Menschen dort arbeiten – weil wir uns entschlossen haben, das Design und langzeitarbeitslose Menschen mit flinken Händen einfach zusammen finden müssen. Verrückt!

Wir durften uns im letzten – und ersten – Jahr von Bridge&Tunnel außerdem über tolle Auszeichnungen sowie eine schwindelerregende Anzahl an Presseberichten freuen. Das macht uns und unser Team natürlich stolz wie Bolle!

Aktuell sind wir wahnsinnig stolz, dass wir den nächsten Schritt gewagt haben: Nachdem wir letztes Jahr mit Accessoires (verschiedene Taschenmodelle, Laptopsleeves, Weekender etc.) und Interior-Design-Produkten (Teppich, Sitzmöbel) angefangen haben, haben wir unser Sortiment erweitert und vergangene Woche unsere ersten Fashion Pieces gelauncht.

Sehr aufregend! Dazu haben wir erstmalig nicht Post-Consumer-Waste – in unserem Fall abgelegte Jeans – sondern Pre-Consumer-Waste – Materialüberschüsse und -reste, die bei der Produktion anfallen – genutzt. Unsere ersten Sweater mit den tollen Namen „Derya“ (türkisch/persisch für Ozean) und „Damla“ (türkisch für Tropfen) gibt es seit wenigen Tagen jetzt auch endlich in unserem Webshop!

Fotos © Bridge&Tunnel

Nik

Hamburger Jung mit dem Mundwerk am rechten Fleck. Als Onliner lang in der digitalen Szene unterwegs und mit Jungunternehmern verquickt.

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