09. September 2019

Huawei und Android: Alles zum Konflikt

Erst kürzlich kehrte wieder Ruhe im Huawei-Google-Konflikt ein. Nun wendet sich das Blatt abermals. Hier gibt's alle News.

Google vs. Huawei

Auf Druck der US-Regierung hatte Google dem chinesischen Huawei-Konzern und seiner Tochter Honor im Mai die Lizenz für das Betriebssystem Android entzogen. Besitzer von Huawei-Smartphones reagierten besorgt und verunsichert auf das Kräftemessen.

Die Wogen schienen sich erst kürzlich wieder zu glätten. Nun geht der Handelsstreit zwischen den USA und China in eine neue Runde und wirkt sich weiterhin direkt auf Huawei und Google aus. Aktuell steht Huaweis neues Flaggschiff-Smartphone im Fokus, das in wenigen Tagen vorgestellt wird und das von den Sanktionen betroffen ist. Hier erfährst du mehr.

Update 09.09.2019

Huawei setzt – noch – auf Android

In nicht einmal zwei Wochen ist es so weit: Am 19. September wird das neue Smartphone Huawei Mate 30 (Pro) vorgestellt. Auf der IFA 2019, der Internationalen Funkausstellung in Berlin, stellte Huawei-Chef Richard Yu kürzlich das Herzstück vor – einen 4G- und 5G-fähigen Prozessor namens Kirin 990 mit mehr als zehn Milliarden Transistoren.

Dabei ging Yu jedoch in keiner Weise auf den aktuellen Stand im schwelenden Konflikt zwischen Huawei und Google und auf die direkten Folgen für das neue Flaggschiff-Smartphone ein. Zur Erinnerung: Aufgrund des US-Embargos gegen das chinesische Telekommunikationsunternehmen dürfen US-Firmen keine (neuen) Geschäfte mit Huawei abschließen.

Keine Google-Apps und -Services

Nach einigem hin und her sieht die Situation derzeit so aus: Aktuelle Huawei-Geräte, die bereits verkauft wurden oder gerade verkauft werden, bekommen von Google bis auf weiteres Sicherheits- und Software-Updates für Android. Die aktuelle Ausnahmeregelung wurde bereits einmal verlängert und gilt noch bis zum 19. November.

Für neu erscheinende Produkte wie das Mate 30 (Pro) gilt diese Ausnahme jedoch nicht. Das zukünftige Huawei-Flaggschiff muss also zumindest vorerst und ab Werk ohne Google-Apps auskommen – also ohne Mobile-Dienste (GMD) wie Play Store, Google Maps und Co.

Warum ist das ein Problem?

Für Märkte außerhalb Chinas dürfte das die Absatzchancen schmälern. Die Masse der Nutzer interessiert sich eigentlich nicht sonderlich für das Betriebssystem an sich – die Hauptsache ist, dass sich die gewohnten Apps damit nutzen lassen.

Bei Android handelt es sich zwar grundsätzlich um ein Open-Source-Betriebssystem. Doch Google verstand es frühzeitig, mit Etablierung des Play Store und weiterer Services ein passendes Ökosystem zu erschaffen, Standards zu setzen und die User-Erwartungen zu prägen. An diesen Standards kommt bislang kein Hersteller vorbei, der wie Huawei auf Android setzt.

Google-Services trotz Embargo?

Es erscheint natürlich fraglich, ob Nutzer außerhalb Chinas 800 Euro oder mehr für ein Smartphone ausgeben werden, dessen Betriebssystem und Apps sie nicht kennen. Doch beim Mate 30 (Pro) kommt die AOSP-Version von Android zum Einsatz. AOSP steht für Android Open Source Project. Somit ist das Mate 30 (Pro) trotz allem ein Android-Smartphone. Und selbst wenn Huawei die Geräte zunächst nicht mit den Google Mobile-Diensten (GMD) ausliefern kann, können die Nutzer diese bei Bedarf einfach selbst installieren, so Richard Yu.

Zudem arbeitet Huawei bereits an einem eigenen App Store. Solange sich der Handelskonflikt allerdings nicht grundlegend entschärft, werden sich Apps wie Facebook, Twitter, Instagram oder WhatsApp nicht darin befinden. Denn deren Anbieter dürfen derzeit ebenso wenig Geschäfte mit Huawei machen wie Google.

Zukunftsmusik?

Für zukünftige Produkte – und sofern die US-Sanktionen bestehen bleiben – setzt Huawei laut Yu auf das eigene Betriebssystem HarmonyOS. Es sei nicht sonderlich aufwendig, populäre Android-Apps an das Betriebssystem anzupassen.

Es bleibt abzuwarten, ob und wie erfolgreich der chinesische Technologiespezialist mit dem Versuch sein wird, das eigene Betriebssystem gegen das meistgenutzte Mobil-Betriebssystem Android in Stellung zu bringen und weltweit als ernsthaften Konkurrenten zu etablieren. Wir halten dich auf dem Laufenden!

Update: 01.07.2019

Die Kehrtwende im Huawei-Google-Konflikt

Huawei kann aufatmen. Nachdem Google im Mai die Zusammenarbeit mit dem chinesischen Tech-Konzern von heute auf morgen beendete, scheint sich die Situation langsam wieder zu entspannen.

Wir erinnern uns: US-Präsident Trump hatte infolge der Handelsstreitigkeiten mit China auch den Smartphone-Hersteller Huawei auf die Blacklist gesetzt und damit jegliche geschäftliche Beziehungen von US-Unternehmen mit den Chinesen unterbunden.

Die Folge: Huawei-Smartphones, die mit dem Betriebssystem Android laufen, sollten künftig nicht mehr mit den neuesten Sicherheits- und Software-Updates für Googles Betriebssystem Android versorgt werden. Huawei reagierte schnell, gab Entwarnung und sicherte zu, schon bald mit einem eigenen Betriebssystem an den Start zu gehen. Wir haben darüber berichtet.

Erst vor wenigen Tagen machte Huawei-CEO Ren Zhengfei zudem deutlich, dass nicht die Chinesen die Leidtragenden des Boykotts sind, sondern Google bei einem anhaltenden Boykott selbst am meisten zu verlieren hätte. Immerhin würde der US-Konzern im Zuge des Embargos satte 700 bis 800 Millionen seiner Nutzer auf einmal verlieren und auch finanziell spürbare Einbußen machen müssen.

Nun die Trumpsche Kehrtwende: Denn wie jetzt offziell bestätigt wurde, lässt der US-Präsident ab sofort die geschäftlichen Beziehungen von US-Unternehmen zum Huawei-Konzern wieder zu. Huawei-Nutzer auf der ganzen Welt können sich also über die neuesten Android-Updates freuen. Zudem hat Trump am 1. Juli 2019 den Handel mit und Verkauf von Huawei-Geräten in den USA wieder ermöglicht. Ein weiterer Hoffnungsschimmer für das chinesische Unternehmen.

Allerdings ist das letzte Wort noch nicht gesprochen. Ob die Aufhebung der Huawei-Sperre von Dauer sein wird, muss sich erst zeigen. Und ob sich der chinesische Konzern nach der Klatsche auf den Bestand der geschäftlichen Beziehungen zu Google verlässt, ist ebenso fraglich. Daher ist es eher unwahrscheinlich, dass Huawei von seinem Plänen für das eigene Betriebssystem abrücken wird. Zu unbeständig scheint derzeit die politische Lage.

News: 23.05.2019

Was ist passiert?

Seit Längerem schon verdächtigt die US-Regierung den chinesischen Telekommunikationsausrüster der Spionage. Beweise bleiben die Behörden bis dato allerdings schuldig. Am 15. Mai 2019 erklärte US-Präsident Trump per Dekret den „Nationalen Notstand“ für die USA in Bezug auf Telekommunikation. Auf Weisung des US-Handelsministeriums beendete Google vier Tage später einen Teil seiner Zusammenarbeit mit Huawei.

Wie ist der aktuelle Stand?

Nach dem Bann der US-Regierung durfte Google zunächst nicht mehr mit Huawei zusammenarbeiten. Nur wenige Tage später trat jedoch eine erste Lockerung in Kraft: Für zunächst drei Monate (also bis zum 19. August 2019) darf Huawei sämtliche in Umlauf befindlichen Endgeräte, Server und Netzwerke weiterhin mit Android-Updates versorgen.

Damit sollen die Sicherheit und Funktionen bestehender Netze und Produkte aufrechterhalten werden. US-Unternehmen wie Google dürfen zu diesem Zweck wieder mit Huawei zusammenarbeiten. Da sich die Lage im Handelsstreit zwischen den USA und China jederzeit ändern kann, lässt sich allerdings noch nicht prognostizieren, wie es um die nächste große Betriebssystem-Aktualisierung auf Android Q (Android 10) für Huawei-Geräte steht.

Eigenes Betriebssystem als Android-Alternative?

Huawei scheint jedenfalls vorbereitet und kündigte die Entwicklung eines eigenen Betriebssystems namens Huawei OS an. Gerüchte dazu gibt es bereits seit Sommer 2016. Laut Hersteller laufe das Betriebssystem schneller als Android und sei zudem mit den Android-Apps kompatibel. Zudem arbeite Huawei an eigenen Chips.

Was bedeutet das alles für den Nutzer?

Für Nutzer von Huawei-Endgeräten dürften dies nach dem anfänglichen Schock und der damit verbundenen Ungewissheit gute Neuigkeiten sein. Möglicherweise gelingt der Trump-Administration und China in naher Zukunft ein ähnlicher „Deal“ wie das vor wenigen Monaten neu verhandelte Freihandelsabkommen zwischen den USA, Kanada und Mexiko.

Ein solches Abkommen würde vermutlich auch eine Vereinbarung bezüglich des Umgangs mit Huawei beinhalten. Schließlich laufen auch in den USA zahlreiche Netze mit Huawei-Technik. In jedem Fall ist davon auszugehen, dass Huawei seine „Hausaufgaben“ macht und weiterhin daran arbeitet, noch bestehende Abhängigkeiten in puncto Betriebssystem und Chipsatz zu überwinden.

Fazit: Es bleibt spannend

  • Mindestens bis zum 19. August 2019 kannst du mit Android-Updates für dein Huawei-Smartphone rechnen.
  • Bestenfalls steht bis dahin eine solide und nachhaltige Lösung im Konflikt zwischen den USA und China.
  • Und falls nicht: Huawei scheint gut vorbereitet zu sein. An einem eigenen Betriebssystem mit dem Namen Huawei OS soll bereits fleißig gewerkelt werden.
  • Dieses soll alle gängigen Android-Anwendungen unterstützen.

Foto: ©Shutterstock/Mykola Churpita

Redaktion

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