26. September 2018

Die Funktionen von NFC

NFC ist sowas wie der Underdog unter den Funkstandards. Dabei bietet er weitaus mehr Funktionen als nur mobiles Zahlen.

DR_Titelbild_NFC

Near Field Communication (NFC) gehört mittlerweile zur Standardausstattung von Smartphones. Wirklich zum Einsatz kommt der drahtlose Funkstandard aber nach wie vor selten. Viele User dürften den NFC-Chip in ihren Geräten noch kein einziges Mal eingesetzt haben.

Das könnte sich durch den Vormarsch des drahtlosen Bezahlens ändern – vor allem nach dem Start von Apple Pay und Google Pay in Deutschland. Das ist aber bei Weitem nicht das einzige Einsatzszenario für die „Nahfeldkommunikation“.

Basiswissen zu NFC

NFC dient der draht- und kontaktlosen Übertragung von Daten in einem Radius von bis zu zehn Zentimetern zwischen Empfänger und Sender. In der Praxis ist er aber meist geringer. Lesegeräte an der Supermarktkasse haben eine Reichweite von bis zu vier Zentimetern. Um den Informationsaustauch durchzuführen, genügt es, Empfänger und Sender für einen Augenblick aneinanderzuhalten.

Man unterscheidet zwischen aktivem und passivem NFC. Im aktiven können beide verbundenen Geräte Daten senden und empfangen. Bei passiver NFC-Nutzung wird ein NFC-Tag (ein sogenannter RFID-Tag) über einen NFC-Chip (z. B. im Smartphone) aktiviert, um die im RFID-Tag gespeicherten Daten auslesen zu können.

Wegen der geringen Reichweite konkurriert der Standard nicht mit WLAN oder Bluetooth. Aus dieser Einschränkung ergibt sich aber auch seine wesentliche Stärke. Aufgrund der geringen Übertragungsdistanz ist es deutlich schwieriger, Daten abzufangen. Das prädestiniert NFC für den schnellen Datenaustausch in sensiblen Bereichen wie eben dem Zahlungsverkehr.

Ein weiterer Vorteil von NFC gegenüber Bluetooth ist die schnelle und einfache Kopplung von Empfänger und Sender. Bei Bluetooth nimmt diese ein paar Sekunden in Anspruch. Die wichtigsten Fakten zu NFC in der Übersicht:

  • Drahtlose Datenübertragung bis zu einer Reichweite von 10 Zentimetern
  • Vergleichsweise geringe Übertragungsgeschwindigkeit von 424 Kilobit pro Sekunde
  • Spezifikationen für NFC zu Beginn der 2000er-Jahre festgelegt
  • Geringe Reichweite erschwert das Abfangen von Daten
  • Passive NFC-Tags mit maximaler Kapazität von 2048 Bytes
  • Einsetzbar in Smartphones, EC-Karten, Kartenlesegeräten und mit aufklebbaren Tags

Mobile Payment mit NFC vorm Durchbruch?

Den größten Markt für NFC sehen Experten im Mobile Payment, also der kontaktlosen Vorortzahlung mit Smartphone oder EC-Karte. Bislang ist diese Art der Zahlung in Deutschland nicht wirklich angekommen. Im Ausland sieht das teilweise schon anders aus.

Infografik: Mobile Payment läuft in Deutschland noch nicht | Statista Mehr Infografiken finden Sie bei Statista

Die Verbreitung von NFC könnte sich aber rapide beschleunigen, nachdem Apple Pay und Google Pay auch in Deutschland eingeführt wurden. Auch die Sparkasse hat im Sommer 2018 einen mobilen Bezahldienst gestartet. Einer der Vorteile der NFC-basierten Zahlung ist, dass bis zu einem bestimmten Betrag keine PIN eingegeben werden muss.

Im Zuge der Einführung mobiler Bezahldienste sind allerdings auch kritische Stimmen aufgekommen. Als eine relevante Schwachstelle wurde identifiziert, dass Unbefugte Daten von NFC-Chips auslesen und beispielsweise weiterverkaufen können. Dafür müssen sie lediglich mit einem im Handel erhältlichen Lesegerät in unmittelbare Nähe des Smartphones oder Portemonnaies kommen.

Was außerdem mit NFC geht

Der Zahlungsverkehr ist bei weitem nicht die einzige Funktion für die Nahfeldkommunikation. NFC-Tags können mit ganz unterschiedlichen Informationen und auch Befehlen belegt werden. Diese Tags kann man einfach auf Oberflächen aufkleben, ohne dass für die Nutzung Stromzufuhr am Tag notwendig wäre.

Unter diesen Voraussetzungen lassen sich auf Tags beispielsweise Produktinformationen, Bilder oder URLs hinterlegen, die auf dem Smartphone angezeigt werden. Gleiches ist auch in Museen und anderen Kultureinrichtungen denkbar und wurde auch schon in der Praxis umgesetzt. Die Nutzung ist auch nicht allein auf das Smartphone beschränkt.

Ein möglicher Befehl, der über einen NFC-Tag an ein Smartphone übermittelt werden kann, ist das Ausschalten von WLAN. So könntest du beim Verlassen der Wohnung das WLAN ausstellen, indem du das Smartphone einfach an eine bestimmte Stelle hältst. In Audio-Geräten werden NFC-Tags schon seit Längerem dafür eingesetzt, um den Kopplungsvorgang von Bluetooth-Empfänger und -Sender zu initiieren.

NFC-Nutzung unter iOS und Android

Apple ist mit der Freigabe von NFC-Funktionen bisher eher zurückhaltend. Für Apple Pay können iPhones (ab der 6. Generation) Informationen über NFC auslesen. Durch die Freigabe der Core-NFC-Schnittstelle für Entwickler können außerdem auf NFC-Tags gespeicherte Informationen mit Apps ausgelesen werden (seit 2017).

Hinweis zu den neuen iPhones: Die iPhones der neuesten Generation XS, XS Max und XR können NFC-Tags auch ohne zusätzliche Apps auslesen.

Android ist gegenüber NFC weitaus offener. Hierfür sind auch Apps freigegeben, mit denen du Tags selbstständig beschreiben kannst. Das ist auf dem iPhone nur mit Jailbreak möglich. Für Android-Smartphones gibt es dagegen Apps wie Trigger oder TagWriter.

Um mit Ihnen Tags zu beschreiben, muss man kein Entwickler sein. So lassen sich über Tags personalisierte Befehle initiieren und an bestimmte „Trigger“ koppeln. Ein Beispiel: Du steigst ins Auto und verbindest dein Smartphone über Bluetooth mit dem Autoradio. Über den NFC-Tag werden dann automatisch auch die mobilen Daten aktiviert, um Musik-Streaming zu ermöglichen.

Zusammenfassung zu NFC-Funktionen

  • NFC ist ein funkbasierter Übertragungsstandard mit geringer Reichweite zwischen Empfänger und Sender.
  • Die geringe Reichweite erschwert das Abfangen von Daten durch Dritte deutlich.
  • Man unterscheidet zwischen aktivem und passivem NFC-Modus.
  • Über NFC-Tags lassen sich Informationen und Befehle an Oberflächen hinterlegen.
  • Mit Android-Geräten sind NFC-Tags über entsprechende Apps einfach personalisierbar.

Foto: ©Shutterstock/plantic

Redaktion

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