02. Januar 2018

Netzneutralität: Freies Netz für alle?

Freier und gleichberechtigter Datenverkehr: Welche Auswirkungen hätte die Abschaffung der Netzneutralität?

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Mal eben etwas bei Wikipedia nachschlagen; sich durch YouTube-Videos klicken oder einen Film über einen Streaming-Dienst schauen: Der unbegrenzte Zugriff auf Inhalte im Internet ist für uns eine Selbstverständlichkeit.

Doch was passiert, wenn wir Dienste nicht mehr absolut frei wählen können und Daten nicht mehr gleichberechtigt im Netz übertragen werden.

Netzneutralität: Was ist das eigentlich?

Die Netzneutralität soll den gleichberechtigten und freien Datenverkehr im Internet sicherstellen. Eine Bevorzugung oder Benachteiligung einzelner Web-Angebote seitens der Netzbetreiber soll damit verhindert werden. Dieses Prinzip ist ein wichtiger Grundpfeiler für faire Wettbewerbsbedingungen und Vielfalt im Netz.

Verstöße gegen die Netzneutralität können zum Beispiel so aussehen, dass die Inhalte bestimmter Seiten schneller übermittelt werden und damit mit kürzeren Ladezeiten einhergehen.

Ganz egal in welcher Weise der Datenverkehr durch einen Netzbetreiber beeinflusst wird, sobald die Gleichberechtigung bei der Übermittlung der Daten nicht mehr gewährleistet ist, liegt ein Verstoß gegen das bisher geltende Gebot der Netzneutralität vor.

Zusätzliche Gebühren – besseres Netz?

Ein Netzbetreiber fordert zusätzliche Gebühren von einem Streaming-Portal wie Netflix, da dieses große Datenpakete bei der Nutzung seines Angebots übermittelt. Das gibt es zwar bisher nicht, es kamen allerdings schon häufiger Forderungen nach einem solchen Vorgehen auf.

Die Argumentation dafür lautet etwa so: Online-Riesen wie Netflix würden die Internetkapazitäten stärker beanspruchen als andere. Über Gebühren könne man datenaufwendige Dienste entsprechend am Netzausbau beteiligen, um die Übertragungsqualität aufrechtzuerhalten.

Was zunächst fair klingt, könnte die Kommerzialisierung des Netzes bedeuten und die Vielfalt einschränken. Zum Beispiel dann, wenn kleine Anbieter geforderte Gebühren nicht aufbringen können und daraus ein entscheidender Wettbewerbsnachteil gegenüber arrivierten Anbietern entsteht.

Ein anderes Risiko für die Netzneutralität entsteht, wenn Netzbetreiber selbst als Inhalteanbieter auftreten und die eigenen Angebote gegenüber Konkurrenten bevorzugen.

In den extremsten Fällen haben Anbieter bereits ganze Websites oder Anwendungen blockiert, weil sie als Konkurrenz zu den eigenen Angeboten angesehen wurden, beispielsweise im Falle der Internettelefonie.

Zero Rating: Kein Datenvolumen, keine Neutralität?

Zero Rating ist ein Modell der Netzbetreiber, bestimmte Anbieter oder eigene Angebote bevorzugt zu behandeln. Internetprovider stellen dabei Dienste zur Verfügung, bei denen der Verbrauch von Datenvolumen nicht gezählt wird. Sobald du ähnliche Dienste der Konkurrenz nutzen möchtest, belastest du dagegen dein Datenvolumen wie gewohnt.

Mit hoher Wahrscheinlichkeit würden viele das Angebot bevorzugen, bei dem kein Datenvolumen belastet wird. Genau an diesem Punkt würde die Netzneutralität verletzt und der Wettbewerb zwischen den zahlreichen Anbietern verzerrt.

So steht's mit der Netzneutralität in Deutschland

In Deutschland ist die Netzneutralität mithilfe von Bundes- und EU-Verordnungen glücklicherweise gestärkt worden. Im Jahr 2017 wurden im Bundestag gesetzliche Regelungen verabschiedet, welche die Netzneutralität und die Einhaltung von gleichberechtigten Übertragungsraten sichern sollen. Hält sich ein Internetanbieter nicht daran, können ihm Bußgelder auferlegt werden.

Mit der Bundesnetzagentur existiert zudem eine Regulierungsbehörde, die den fairen Wettbewerb im Telekommunikationssektor sichert. Mit ihrer Hilfe werden Verstöße gegen die Netzneutralität untersucht und entsprechend geahndet.

USA: Die Verfechter der Netzneutralität sind eingeknickt

Anders stellt sich das Thema derzeit in den USA dar: Zwar hatte der ehemalige US-Präsident Barack Obama die Netzneutralität während seiner Amtszeit noch gestärkt, mit der Amtsübernahme Donald Trumps wurde sie jedoch aufgeweicht.

Für weltweite Empörung sorgten die Vereinigten Staaten schließlich, nachdem die US-Telekommunikationsaufsicht FCC die Netzneutralität Ende 2017 weitgehend abschaffte.

Befürworter der Aufhebung der Netzneutralität in den USA argumentieren mit den horrenden Kosten beim Netzausbau. Mehreinnahmen könnten dazu verwendet werden, die Infrastruktur für die steigenden Anforderungen auszubauen. Für die amerikanischen Verbraucher kann die Aufhebung allerdings spürbare Veränderungen nach sich ziehen.

Quo vadis, Europa?

Ob die Abschaffung der Netzneutralität in den USA auch auf Deutschland Auswirkungen haben wird, bleibt abzuwarten. Kritiker befürchten, dass die Entscheidung in Übersee die deutsche und die EU-Gesetzgebung beeinflussen könnte und die Netzneutralität auch hier auf lange Sicht aufgehoben werden wird.

Jedoch kann man den Entschluss der Vereinigten Staaten auch als Chance dafür verstehen, die Regelungen in Deutschland und Europa zu stärken und mögliche negative Konsequenzen dort als mahnendes Beispiel hier anzusehen.

Mögliche Folgen der Abschaffung der Netzneutralität

  • Der Zugriff auf bestimmte Inhalte und Services kann gedrosselt oder ganz blockiert werden, um die Konkurrenten der eigenen Produkte oder Dienstleistungen zu übervorteilen.
  • Absprachen zwischen Netzbetreibern und großen Unternehmen werden vereinfacht. Auf diese Weise können sie ihre Inhalte und Angebote prominenter im Internet positionieren.
  • Das schwächt wiederum kleinere Unternehmen, die nicht die notwendigen Mittel für vertragliche Verhandlungen aufbringen können.
  • Auf Kosten der Netzneutralität wird das Internet zu einem kommerzialisierten Markt, auf dem große Konzerne profitieren und kleine Dienstleister das Nachsehen haben.
  • Verbraucher müssten sich auf steigende Kosten einstellen, wenn sie umfassende Angebote nutzen möchten, beispielsweise indem sie einzelne Datenpakete dazubuchen müssten.
  • Start-ups würden es schwer haben, sich in hart umkämpften Märkten durchzusetzen, wenn ihre Dienste nicht in den gebuchten Paketen inbegriffen sind.

Foto: ©Shutterstock/Enzozo

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