08. Dezember 2017

Gesichtserkennung – Der Türöffner?

Die Gesichtserkennung soll das Entsperren von iPhone bzw. Smartphone sicherer und leichter machen. Experten äußern Bedenken.

DR_Titelbild_Gesichtserkennung

Nichts hassen Smartphone-User mehr, als lange Passwörter oder PIN-Codes eingeben zu müssen – außer vielleicht: kein Netz zu haben. Außerdem kann man Passwörter leicht vergessen oder falsch eintippen. Die Gesichtserkennung ist in dem Punkt eine große Erleichterung, denn sie ermöglicht das Entsperren ohne PIN-Eingabe. Einfach mit der Smartphonekamera das Gesicht scannen, schon greifst du auf neue Nachrichten, Apps und sogar auf Bezahlsysteme zu.

Apple hat die Smartphone-Gesichtserkennung beim iPhone X eingeführt und bewirbt das Verfahren als besonders sicher. Die Falschakzeptanzrate fällt mit 1:1.000.000 sogar viel besser aus als bei der Entsperrung mittels Fingerabdrucksensor mit 1:10.000. Allerdings klingeln beim Thema Gesichtserkennung die Alarmglocken bei Datenschützern: Sie warnen davor, dass die Konzerne unkontrolliert biometrische Daten sammeln könnten.

So funktioniert die Technik

Experten nennen das Verfahren, das bei der Gesichtserkennung zum Einsatz kommt, Gesichtsverifikation. Dabei wird das Gesicht einer Person mit einem 3D-Modell abgeglichen, das auf dem Smartphone gespeichert ist. Möglich machen das die immer präziser arbeitenden Kameras und Algorithmen, die Bilder immer besser identifizieren können.

Die genaue Funktionsweise der Gesichtserkennung unterscheidet sich jedoch je nach Smartphone-Modell und der darauf befindlichen Software ab. Einfache Verfahren erfassen nur bestimmte Merkmale des Gesichts, etwa Augen und Nase und deren Abstände zueinander.

Komplexe Systeme dagegen wenden aufwendige Verfahren und Berechnungen an, beispielsweise die Wavelet-Transformation oder andere Hauptkomponentenanalysen der Mathematik. Die Software hat dabei eine hohe Trefferquote. Bis zu 90 Prozent der Gesichter werden schnell und problemlos erkannt.

Apple arbeitet mit einer neuen Technologie bei der Gesichtserkennung: „Face ID“. Dafür wird ein Kamerasystem namens TrueDepth genutzt, das nach Apple-Angaben aus Punktprojektor, Infrarotkamera und Infrarotbeleuchter besteht. Für die Gesichtserkennung werden mehr als 30.000 nicht sichtbare Infrarot-Punkte auf das Gesicht projiziert, um die Gesichtsform zu erfassen. Der A11-Bionic-Prozessor auf dem iPhone X wertet die Informationen dann aus.

Mit der Gesichtserkennung auf dem neuen iPhone X hat Apple zugleich ein Problem gelöst: Der Fingerabdruckscanner passte aufgrund des großen Displays nämlich nicht mehr auf die Vorderseite des Smartphones.

Bedenken bei der Gesichtserkennung

Apple versichert, dass Face ID sicherer sei als jedes andere Verfahren. Experten sind davon nicht überzeugt. Sie gehen davon aus, dass sich auch die Gesichtserkennung auf dem iPhone überlisten lässt. Sicherheitsunternehmen haben gezeigt, dass sich Face ID mithilfe von Masken täuschen lässt. Auch bei Geschwistern mit sehr ähnlichen Gesichtszügen offenbaren sich Probleme beim neuen iPhone.

In diesem Video stellt eine Journalistin Face ID auf die Probe.

Datenschützer warnen noch aus ganz anderen Gründen vor der Gesichtserkennung. Sie gehen davon aus, dass Technologieunternehmen wie Apple sensible Daten sammeln und an Dritte weitergeben könnten. Dem Versprechen des Unternehmens, dass die Daten nur auf dem Telefon gespeichert würden, trauen viele von ihnen nicht.

Inwieweit die Gesichtserkennung des iPhones und anderer Geräte wirklich sicher und zuverlässig ist, wird sich erst zeigen, wenn sie entsprechend weit verbreitet ist. Wer bis dahin kein Risiko eingehen möchte, kann die Smartphone-Gesichtserkennung in den Einstellungen seines Telefons ausschalten und selbiges stattdessen beispielsweise mit einem herkömmlichen PIN-Code entsperren.

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Apple Smartphone Redaktion